10.02.2017 15:30
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China: Neujahrsfest mit Donald Trump

Vor dem Auftakt in das Jahr des Feuer-Hahns zeigte das bevölkerungsreichste Land der Welt zuletzt eine flotte Konsumkonjunktur und eine kräftige Kreditexpansion. Im Schlussquartal 2016 legte die chinesische Volkswirtschaft eine überraschende Wachstumsbeschleunigung hin. Jedoch ist Chinas Exportwirtschaft insbesondere vor dem Hintergrund zu erwartender Handelsstreitigkeiten mit der neuen US-Regierung unter Präsident Donald Trump in 2017 größeren Unwägbarkeiten ausgesetzt. Weiterhin immanent sind die Risiken im Finanzsektor angesichts der hohen Verschuldung und zunehmenden Kapitalflucht.

Wirtschaft legt einen Zahn zu, Hauspreise weiter im Aufwind

Die chinesische Wirtschaft wuchs im 4. Quartal 2016 um 6,8 % und konnte damit die Markterwartungen von 6,7 % leicht übertreffen (3. Quartal 2016: 6,7 %). Im Vergleich zum Vorquartal expandierte die Wirtschaft auf saisonbereinigter Basis um 1,7 % (3. Quartal: 1,8 %), was auf eine Stabilisierung der Wachstumsdynamik hindeutet. Für das Gesamtjahr 2016 beträgt das Wirtschaftswachstum 6,7 % und liegt somit innerhalb der Zielspanne des Nationalen Volkskongresses von 6,5 % bis 7,0 %. Eine wichtige Komponente für das chinesische Wachstum ist weiterhin der Immobilienmarkt, der jedoch auch im Zeichen einer Überhitzung steht. So haben sich per Dezember die Preise für neue Apartments in den boomenden Städten Shenzhen und Guangzhou mit 36,8 % bzw. 21,1 % (YoY) massiv verteuert. Landesweit zogen die Hauspreise mit 9,2 % (YoY) an. Unmittelbar betroffen sind hiervon auch die großen chinesischen Banken, die ihr Engagement im Hypothekengeschäft deutlich erhöht haben und damit ihre Kreditrisiken maßgeblich ausgebaut haben. Erste Gegenmaßnahmen wurden z.B. über eine Anzahlungspflicht i.H.v. 30 % beim Erwerb von Immobilieneigentum eingeleitet. Insgesamt basiert die Wirtschaft nach wie vor weitgehend auf einem kreditfinanzierten Wachstumsmodell, wie auch die gesamtwirtschaftliche Verschuldungsquote von 247 % des BIPs aufzeigt.

Aktuelle Konjunkturdaten zeigen eine temporäre Verlangsamung

Die Konjunkturdaten vom Dezember 2016 legen eine abnehmende Wachstumsdynamik nahe. Die Einzelhandelsumsätze expandierten mit 10,9 % (YoY) auf einem ähnlichen Niveau wie im Vormonat (10,8 %). Auf saisonbereinigter Basis war eine Verlangsamung zu beobachten. Auch die Industrieproduktion wuchs im Dezember mit 6,0 % (YoY) etwas langsamer als im November (6,2 %). Die Anlageinvestitionen lagen mit einem Wachstum von 8,1 % für das Gesamtjahr 2016 unter dem Zuwachs im Zeitraum von Januar bis November 2016 (8,3 %). Auf saisonbereinigter Basis schwächten sich die Industrieproduktion und die Anlageinvestitionen etwas ab. Insgesamt spiegeln die langsameren Wachstumsraten in der Industrieproduktion und bei den Investitionen den Auftakt des zweiwöchigen Neujahrsfests Ende Januar wieder und sollten keinen Anlass zur Besorgnis geben. Chinesische Unternehmen reduzieren zu diesem Zeitpunkt traditionell ihre Produktion und stellen vermehrt Arbeiter frei. Nach dem Ende der Feierlichkeiten sollten sich ihre Aktivitäten wieder erhöhen. Zudem fällt auf, dass die Privatinvestitionen 2016 mit 3,2 % Wachstum erneut schwächer waren. Gleichzeitig verzeichneten die Investitionen staatlicher Unternehmen 2016 einen ziemlich robusten Wert von 18,7 % gegenüber dem Vorjahr. Diese erhöhten Ausgaben im öffentlichen Sektor reichten allerdings nicht aus, um den Rückgang der Privatinvestitionen wettzumachen.

Bekämpfung von Spekulationsblasen und Protektionismus

Die chinesische Wirtschaft steht weiterhin vor großen Herausforderungen. Die wichtigste Aufgabe bleibt, ein Gleichgewicht zwischen ambitionierten Wachstumszielen und der Bekämpfung von Vermögenspreisblasen zu finden. Auch die die Gesundheit gefährdende Luftverschmutzung wird von der Regierung nicht mehr vollkommen ignoriert. Der Spielraum der chinesischen Regierung, über eine Ausweitung des Kreditvolumens die ehrgeizigen Wachstumsziele zu erreichen, sind im Hinblick auf die bestehende Verschuldungsquote der Unternehmen i.H.v. 165 % des BIP begrenzt. Deshalb ist die chinesische Wirtschaft nun auf alternative Wachstumsimpulse angewiesen, wenn sie weiter in einem angemessenen Tempo wachsen will. Auf positive Impulse aus dem Ausland kann sich die chinesische Regierung wohl nicht verlassen, auch wenn die US-amerikanische Wirtschaft deutlich an Fahrt aufzunehmen scheint. Verschiedene Stimmen aus der Trump-Administration sehen Chinas Exportmodell und seine interventionistische Währungspolitik kritisch. Dabei ist China im besonderen Maße von den USA als Exportpartner abhängig. Jährlich exportieren chinesische Unternehmen Waren i.H.v. 4,5 % des chinesischen BIPs oder 378 Mrd. USD in die USA. Diese Handelsbeziehung ist für die chinesische Wirtschaft von hoher Wichtigkeit, hat aber in den vergangenen Jahren durch eine stärkere Bindung an andere Handelspartner an Bedeutung eingebüßt.

Staatschef Xi Jinping in Davos

Auf dem World Economic Forum in Davos hat Chinas Präsident Xi Jinping sich in einer vielbeachtenden Rede für den Ausbau des Freihandels und gegen eine protektionistische Handelspolitik ausgesprochen. Die chinesische Staatsführung setze, ganz im Gegensatz zur neuen US-Administration, auf multilaterale Handelsbeziehungen und wolle diese auch über neue Handelsabkommen manifestieren. Die Aussagen Xis stehen jedoch im starken Gegensatz zur praktizierten Wirtschaftspolitik Chinas, welche ausländischen Investoren und Unternehmen eingeschränkten Zugang zum chinesischen Markt gibt.

Chinesische Kapitalmärkte als Stressmonitor

Verschiedene Kapitalmarktindikatoren bilden gegenwärtig erhöhte Risiken für die chinesische Volkswirtschaft ab. Während die Aktienmärkte seit Dezember zum Teil deutlich nachgaben, rentieren Staatsanleihen mit gegenwärtig 3,42 % oder 38 Basispunkte höher zum Vormonat. Ihr Spread gegenüber US-Treasuries weitete sich im letzten Monat um 33 Basispunkte auf 97 Basispunkte aus. USD/CNY konnte sich zuletzt zwar im Bereich 6,90 stabilisieren, jedoch zeigen die Einjahres-Forwards aktuell ein hohes Interesse am Verkauf des Renminbi. Die Gesamtentwicklung an den Geld- und Währungsmärkten deuten weiterhin auf eine starke Kapitalflucht hin. Die chinesischen Behörden haben ihre Maßnahmen zur Bekämpfung dieser zuletzt intensiviert. Überweisungen oberhalb eines Betrages von 5 Millionen Dollar sind seit Dezember genehmigungspflichtig. Die Lage scheint aber noch gut beherrschbar. So notieren der Renminbi-Währungskorb und die CDS-Spreads weiterhin auf einem stabilen Niveau. Allerdings könnten eine deutlichere Verlangsamung des Wachstums oder eine Zunahme der politischen Spannungen zwischen China und den USA die Finanzmärkte in Mitleidenschaft ziehen und somit die Kapitalflucht verstärken.

Wachstumsziel im Fokus

Die chinesische Regierung wird ihr Wachstumsziel für das laufende Jahr im Frühjahr beim chinesischen Volkskongress verkünden. Es ist zu erwarten, dass sich die chinesische Führung für 2017 mit einem bescheidenerem Wachstum zufrieden gibt und sich mehr Spielraum für strukturelle Reformen einräumt. Als Ziel für das Jahr 2017 wird die chinesische Regierung ein Wachstum von voraussichtlich rund 6,5 % anstreben. Da die Bekämpfung von Preisblasen oberste Priorität hat, werden sich die chinesischen Entscheidungsträger wohl mit geldpolitischen Stimuli zurückhalten und sich vermehrt auf die Konsolidierung der staatseigenen Betriebe und ihrer Entschuldung konzentrieren.

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Quelle

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