Das Amt formt den Menschen

US-Zinserhöhung ante portas


Die US-Notenbank Fed wird heute abend ihren Zinsentscheid bekanntgeben. Nach unserer Prognose dürfte der Offenmarktausschuß der Fed eine Erhöhung seines Zielbandes für den Tagesgeldsatz um einen Viertelprozentpunkt auf 3,75 % bis 4,00 % beschließen. Bis vor Kurzem hatten wir hingegen noch mit einer Fortsetzung der Zinspause gerechnet. Eine Reihe von Gründen hatten uns zur Prognoseänderung veranlaßt. Für eine Zinserhöhung spricht zuvörderst der deutlich "hawkishere" Ton des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh. Auf der Notenbanktagung in Jackson Hole Ende August machte der oberste Währungshüter deutlich, dass ihm die Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung nicht ausreichten. Die zuletzt wieder stabilere Lage am US-Arbeitsmarkt hält Kevin Warsh dabei den Rücken frei, den Fokus der Geldpolitik wieder stärker auf die Inflation zu richten. Spätestens die Veröffentlichung des Konsumentenpreisindex für August dürfte die verbliebenen Tauben im Offenmarktausschuß zum Umdenken veranlaßt haben. Die Verbraucherpreise zogen im abgelaufenen Monat infolge gestiegener Benzinpreise mit einer Rate von 0,4 % im Vormonatsvergleich an. Es kommt erschwerend hinzu, dass infolge der jüngsten Eskalation im Nahen Osten und der damit einhergehenden Verteuerung des Rohöls eine abermals hohe US-Inflationsrate für September bereits absehbar ist. Aufgrund der genannten Argumente dürfte die Fed unter Führung von Kevin Warsh somit das Gegenteil dessen tun, wofür US-Präsident Donald Trump ihn nominiert hat, nämlich die Leitzinsen zu senken. Die Geschichte der Notenbanken kennt solche Rollenwechsel. Das Amt macht mitunter den Falken - wie schon das Beispiel Karl Otto Pöhls bei der Deutschen Bundesbank zeigt. Nach unserer Einschätzung dürfte die prognostizierte Leitzinserhöhung im September - im Gegensatz zur Meinung des Gros der Markteilnehmer - jedoch nicht eine anhaltende Zinserhöhungsphase einläuten. Hiergegen sprechen die hohen US-Produktivitätsgewinne sowie die schwache Wirtschaftsentwicklung außerhalb des IT-Sektors. Beide Faktoren sollten die Inflation auf mittlere Sicht in Schach halten. Die Renditen von 10-jährigen US-Staatsanleihen sind indes gestern um vier Basispunkte auf 5,00 % gestiegen und verzeichnen damit ihr höchstes Niveau sei Juli 2007.

Preisdruck in Deutschland nimmt zu


Der Preisaufwärtsdruck in Deutschland nimmt weiter zu. Die Verkaufspreise im Großhandel lagen im August dieses Jahres 6,8 % über ihrem Vorjahresniveau - der stärkste Anstieg seit mehr als drei Jahren. Vor allem die kräftig gestiegenen Energiepreise hinterließen ihre Spuren. Damit steigt der Druck auf die EZB, bei den Leitzinsen nochmal nachzulegen. Der Deutschen Bundesbank reichte im Jahr 1997 bei einer Inflation von gut 2 % bereits ein Anstieg der Importpreise um rund 3 %, um ihren maßgeblichen Leitzins anzuheben.


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