18.09.2017 14:30
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Deutschland - Konjunkturprognose

Der Konjunkturmotor in Deutschland brummt weiter: Nach neuesten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ist die Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,6 % (arbeitstagebereinigt) gegenüber dem Vorquartal gewachsen, nach 0,7  % zum Jahresauftakt. Wachstumstreiber war die Binnennachfrage, während der Außenhandel die wirtschaftliche Entwicklung gebremst hat. Wir gehen davon aus, dass sich das dynamische Wachstum in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen wird, auch wenn sich die Zuwachsraten leicht abschwächen könnten. Denn die starke Aufwertung des Euros sowie die Zunahme der geopolitischen Risiken dürften ihre Spuren in den Zahlen hinterlassen. Insgesamt halten wir an unserer Wachstumsprognose für 2017 von gut 2 % (arbeitstagebereinigt) fest. Nach einer ersten Schätzung sind die Verbraucherpreise im August um 1,8 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen – im Vergleich zum Vormonat hat die Teuerung damit deutlich zugenommen und bewegt sich in Richtung Preisziel der EZB von knapp 2 %.

Hohe Wachstumsdynamik setzt sich fort
Die deutsche Wirtschaft hat ihre Wachstumsdynamik nahezu halten können: Im zweiten Quartal konnte das BIP gegenüber dem Vorquartal – preis-, saison- und arbeitstagebereinigt – um 0,6 % zulegen. Zum Jahresauftakt hatte es nach neuesten Berechnungen einen etwas kräftigeren Anstieg des BIP von 0,7 % gegeben. Positive Impulse kamen im Gegensatz zum ersten Quartal allein aus dem Inland. Sowohl die privaten Haushalte (0,8 %) als auch der Staat (0,6 %) erhöhten ihre Konsumausgaben deutlich. Auch die Investitionen konnten erfreulicherweise das zweite Mal in Folge spürbar zulegen (1,0 %). Dabei erstreckte sich der Zuwachs sowohl auf Bau- und Ausrüstungsinvestitionen als auch auf sonstige Anlagen. Dagegen wurde das deutsche Wachstum vom Außenhandel gebremst, da die Importe (1,7 %) erheblich stärker zunahmen als die Exporte (0,7 %). Daneben wurden auch die bisher veröffentlichten Ergebnisse der letzten vier Jahre (ab 2013) überarbeitet und gegebenenfalls revidiert, wie zum Beispiel Q1 2017. Die aktuelle Neuberechnung ergab Veränderungsraten des jährlichen und vierteljährlichen BIP, die um bis zu 0,4 Prozentpunkte von den bisher veröffentlichten Ergebnissen abweichen. Insbesondere die Veränderungsraten des BIP für die Quartale und das Jahr 2014 wurden überwiegend nach oben revidiert.

Frühindikatoren mit positiven Signalen

Die Frühindikatoren weisen auf eine Fortsetzung des Aufschwungs auch in der zweiten Jahreshälfte 2017 hin. So ist der ifo-Geschäftsklimaindex im August zwar minimal auf 115,9 Punkte zurückgefallen, doch er befindet sich damit auf dem höchsten Niveau seit den 1990er Jahren. Zudem sind die Geschäftserwartungen entgegen der Einschätzung des Marktes nochmals von einem sehr hohen Stand aus gestiegen, was eine gute Perspektive für die kommenden Monate bietet. Die Geschäftslage wird etwas schlechter als im Vormonat bewertet, was jedoch angesichts der Zuspitzung des Konfliktes mit Nordkorea kaum verwundert. Die PMI-Einkaufsmanagerindizes konnten sowohl für den Dienstleistungssektor als auch für das verarbeitende Gewerbe im August zunehmen und liegen mit 53,5 und 59,3 deutlich oberhalb der Expansionsschwelle von 50 Punkten. Der Index für das verarbeitende Gewerbe liegt zudem im historischen Vergleich auf einem sehr hohen Niveau und deutet damit auf eine äußerst dynamische Wirtschaftsaktivität in der Industrie hin. Auch die Stimmung bei den Verbrauchern ist euphorisch. Das GfK-Konsumklima ist kontinuierlich angestiegen und befindet sich mit 10,9 Punkten auf einem Rekordstand, was den Privaten Konsum weiterhin zu einem der Wachstumstreiber der deutschen Wirtschaft zu machen verspricht.

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland sollte also auch im zweiten Halbjahr weiter dynamisch zunehmen, auch wenn die Wachstumsraten leicht niedriger ausfallen könnten. Dafür sprechen die zuletzt zu beobachtende Aufwertung des Euros, die Exporte in die Nicht-Eurozone verteuert und damit weniger attraktiv macht, sowie die Zunahme der geopolitischen Risiken – insbesondere die Zuspitzung des Konfliktes mit Nordkorea –, die die Unsicherheit erhöhen. Unterstützung für eine Fortsetzung des Aufschwungs kommt von den vergleichsweise niedrigen Ölpreisen, der günstigen Zinslandschaft sowie der anziehenden Weltwirtschaft – vor allem auch einer an Fahrt aufnehmenden Eurozone, dem wichtigsten Handelspartner für Deutschland. Zusammen mit den dynamischen Wachstumsraten aus dem ersten Halbjahr 2017 spricht das für einen Zuwachs der Wirtschaftsleistung für das Gesamtjahr 2017 von 2,2 % (arbeitstagebereinigt). 2018 könnte die Wirtschaft etwas an Schubkraft einbüßen, so dass das BIP-Wachstum unterhalb der 2 %-Marke bleiben dürfte.


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