10.05.2016 13:29
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Devisen monthly: Brexit-Debatte beherrscht Pfund-Entwicklung

EUR/GBP: Die Brexit-Debatte beeinflusst das Pfund. Die Bank of England und EZB belassen Leitzins auf ihrem aktuellen Niveau.

Das Wechselkurspaar EUR/GBP stieg seit Mitte März von 0,78 auf 0,79, was einer Abwertung des Pfund von etwa 1,3% entspricht. Von Ende März bis Anfang April wertete das Pfund um fast 4% ab, da in dieser Zeit die Brexit-Debatte an Fahrt aufnahm und die Umfragen zum damaligen Zeitpunkt keine klare Tendenz erkennen ließen. Trotz der Belastung durch das bevorstehende EU-Referendum konnte das Pfund im Laufe des Aprils seine Schwächephase beenden und wieder an Boden gewinnen.

Der Berichtszeitraum wurde durch Äußerungen von Politikern und Notenbankern zum bevorstehenden EU-Referendum geprägt. So bekräftigten der BoE-Gouverneur Carney und auch Schatzmeister Osborne die negativen Auswirkungen eines Brexit für die britische Volkswirtschaft und insbesondere den Finanzplatz London, während US-Präsident Obama im Vorfeld eines Treffens mit Premier Cameron vor einer Schwächung der EU durch einen Austritts Großbritanniens warnte. Dennoch ist der Wahlausgang weiterhin völlig offen. So liegen die Brexit-Gegner in einer Umfrageübersicht der Financial Times (Durchschnittswert unterschiedlicher Umfragen) vorne, während eine Bloomberg-Umfrage die Brexit-Befürworter knapp in Führung sieht.

Die Brexit-Debatte ging auch an der Konjunkturfront nicht spurlos vorüber: So verlangsamte sich im ersten Quartal das britische Wirtschaftswachstum um 0,2% auf 0,4% im Vergleich zum Vorquartal, bleibt aber auf Jahressicht mit 2,1% weiter konstant. Der britische Arbeitsmarkt zeigt sich robust mit einer konstanten Arbeitslosenquote von knapp 5%. Die Inflation befindet sich weiterhin auf einem äußerst niedrigen Niveau, hat aber den historischen Tiefpunkt vom April letzten Jahres hinter sich gelassen. Vor dem konjunkturellen Hintergrund sowie der andauernden Brexit-Debatte und deren Belastung für die britische Volkswirtschaft hat die Bank of England (BoE) auf ihrem April-Treffen beschlossen, die Zinsen und das Volumen der Anleihekäufe auf dem bisherigen Niveau zu belassen. Ähnlich agierte die EZB, die auf ihrem April-Treffen keine weiteren Maßnahmen bekannt gab. Dazu besteht auch kein Grund, denn die Wirtschaft der Eurozone wuchs im ersten Quartal mit 0,6% doppelt so stark wie noch in Q4 des Vorjahres. Auf Jahressicht blieb das Wirtschaftswachstum mit 1,6% konstant. Der Arbeitsmarkt zeigt sich mit einer Arbeitslosenquote von leicht über 10% beständig. Die Inflation zog im März zwar um rund 1,2% mom an, bleibt auf Jahressicht aber auf einem niedrigen Niveau (-0,1%).

Vor dem Hintergrund der Brexit-Debatte und der bis zum Referendum (23.06.) anhaltenden Unsicherheit über den Ausgang, dürften die TV-Duelle sowie die anschließenden Meinungsumfragen weiter an Relevanz gewinnen. Sollte es hierbei zu großen Überraschungen (Brexit-Befürworter gewinnen an Zuspruch) kommen, ist mit einer erneuten Abwertung des Pfunds zu rechnen. Sollten die Umfragen wie von uns erwartet auf einen Verbleib Großbritanniens in der EU schließen lassen (s. Editorial), sehen wir das Pfund generell stärker und am Ende des Jahres bei etwa 0,72.


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