05.01.2017 09:00
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EUR/USD - Basisaufwärtstrend ist Geschichte

Basisaufwärtstrend ist Geschichte
An dieser Stelle möchten wir unser Basisszenario, dass der Euro zum US-Dollar im neuen Jahr erneut unter Druck geraten sollte, etwas mehr mit Leben füllen. Für eine nachhaltige Trendwende müssen für den Techniker zwei Faktoren erfüllt sein: zum einen der Bruch einer langfristigen Trendlinie und zum anderen der Abschluss einer Boden- oder Toppformation. Im konkreten Fall hatten wir bereits im vergangenen Jahr auf eine multiple Schulter-Kopf-Schulter-Formation und den anschließenden Bruch des EUR-Basisaufwärtstrends seit 1985 (akt. bei 1,2067 USD) hingewiesen. Da beide negativen Weichenstellungen unverändert Bestand haben, befindet sich der Euro zur US-Valuta unverändert im Baissemodus (siehe Chart 1). Diese Einschätzung wäre erst zu revidieren, wenn die Einheitswährung das Widerstandsbündel zwischen rund 1,15 USD und knapp 1,19 USD überwinden würde. Auf diesem Niveau fallen die Hochs vom Mai 2016 und August 2015 bei 1,1619/1,1714 USD mit den Tiefs vom November 2005, April 2004 sowie Juni 2010 bei 1,1637/1,1756/1,1875 USD zusammen. Abgerundet wird die beschriebene Kumulationszone durch das Fibonacci-Cluster aus zwei unterschiedlichen Retracements (1,1778/1,1807 USD) sowie die 38-Monats-Linie (akt. bei 1,1862 USD).
 
 
  EUR/USD (Monthly)  
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EUR: Vor dem nächsten Kursrutsch?
Einen solchen EUR-Befreiungsschlag halten wir im neuen Jahr aber lediglich für einen Nebenkriegsschauplatz – sprich: ein Szenario mit geringer Wahrscheinlichkeit. Schließlich trägt das Jahr 2016 im übergeordneten Kontext die Züge einer Atempause, um die dynamischen Kursverluste des Euro zum Greenback von 1,40 USD auf unter 1,05 USD von Mai 2014 bis März 2015 zu konsolidieren. Durch die charttechnische Brille betrachtet, wird diese Interpretation durch die Schiebezone der letzten knapp zwei Jahre zwischen rund 1,05 USD und gut 1,15 USD untermauert. Eine solche Tradingrange besitzt grundsätzlich eher trendbestätigenden Charakter. Dieses Kursmuster stellt die ideale Überleitung zu einem Chart dar, den wir im Jahresausblick traditionell ebenfalls auf den Prüfstand stellen: den Kursverlauf des USD-Index. Dieser spiegelt die Entwicklung des Greenbacks im Vergleich zu den sechs wichtigsten Handelswährungen EUR, GBP, JPY, CHF, CAD und SEK wider. Nachdem die US-Valuta aus einer erfolgreichen mehrjährigen Bodenbildung lehrbuchmäßig Kapital schlagen konnte, ging der Index im Frühjahr 2015 ebenfalls in eine seitliche Schiebezone zwischen 93 Punkten auf der Unter- und gut 100 Punkten auf der Oberseite über (siehe Chart 2).
 
 
  USD-Index (Monthly)  
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Anlaufziele 2017
Da der USD-Index bereits nach oben ausgebrochen ist, kommt diesem Chart möglicherweise eine Vorlauffunktion für den spiegelbildlichen und nachhaltigen Ausbruch des Euro zum US-Dollar nach Süden zu. Aus der Höhe der vorangegangenen Tradingrange lässt sich ein rechnerisches Anschlusspotential von rund 7 Indexpunkten ableiten – das wäre ausreichend, um die Parallele (akt. bei 106 Punkten) zum im Mai 2011 etablierten Haussetrend anzusteuern. Doch wo liegen die korrespondierenden Kursziele im Kursverlauf des Währungspaars EUR/USD? Zur Beantwortung dieser Frage möchten wir zunächst den Wochenchart heranziehen. Fällt die Schlüsselunterstützung bei knapp 1,05 USD nachhaltig, dann definiert die Parallele (akt. bei 1,0035 USD) zum Abwärtstrend seit Juli 2008 ein erstes Etappenziel (siehe Chart 3). Aus der Höhe einer nach unten aufgelösten Schiebezone ließe sich sogar ein kalkulatorisches Abschlagspotential von rund 0,10 USD bzw. ein Kursziel im Bereich von 0,95 USD ableiten. Die zuletzt angeführte Marke führt Anleger zum nächsten Kumulationspunkt. So ist in diesem Bereich zusätzlich die 161,8%-Fibonacci-Projektion der Konsolidierung seit März 2015 (0,9680 USD) sowie das Tief vom Juni 1989 bzw. das Hoch vom März 2001 bei 0,9599/95 USD anzusiedeln (siehe Chart 4).
 
 
  EUR/USD (Weekly)  
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Das ganz, ganz große Bild
Mit anderen Worten: Ein Ende der Seitwärtsphase der letzten 22 Monate dürfte einen deutlichen Kursrutsch nach sich ziehen. Neben unserem Schlüsselargument der eng beieinander liegenden Bollinger Bänder begünstigt auch die Behavioral Finance einen solchen Baisseimpuls. So prognostizieren die 21 von Euro am Sonntag befragten Banken im Durchschnitt einen Euro-Wechselkurs zum US-Dollar von 1,06 USD (siehe Euro am Sonntag 49/16). Durch die sentimenttechnische Brille betrachtet, riecht es danach, dass die Marktteilnehmer die zuletzt gesehene Bewegungsarmut einfach fortschreiben. Entsprechend groß dürften die Positionsschieflagen und der Leidensdruck ausfallen, wenn der Markt tatsächlich ins Rutschen kommt. Deshalb möchten wir an dieser Stelle auch noch auf ein über das Jahr 2017 hinausgehendes Abschlagspotential eingehen. Die Anfang 2015 komplettierte Schulter-Kopf-Schulter-Formation lässt langfristig auf das vollständige Ausradieren der EUR-Rally von 2000 bis 2008 schließen. Konkret kann also selbst ein Wiedersehen mit den Tiefs von 2000 und 2001 zwischen rund 0,84 USD und 0,8225 USD nicht ausgeschlossen werden. Interessanterweise harmoniert der skizzierte Auffangbereich bestens mit der 261,8%-Fibonacci-Projektion der bekannten Schiebezone (0,8425 USD) nach unten.
 
 
  EUR/USD (Quarterly)  
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Fibonacci-Zeitprojektion: Mai 2017 als Wendemonat?
Mittlerweile setzen viele Marktteilnehmer Fibonacci-Retracements bzw. Projektionen zur Ermittlung von möglichen Anlaufzielen auf der Preisachse ein. Weniger bekannt ist dagegen der Einsatz von Fibonacci-Projektionen auf der Zeitachse. Besonders interessant sind Monate, in denen verschiedene Zeit-Projektionen zusammenfallen. Schließlich definieren solche Fibonacci-Monate mögliche Umkehrmonate. Auffällig ist in diesem Kontext der Mai 2017, denn dieser Zeitpunkt markiert die 38,2%-Fibonacci-Zeitprojektion der gesamten Aufwärtsbewegung des Euro zur US-Valuta von März 1985 bis Juli 2008. Gleichzeitig fällt die 261,8%-Projektion des Euro-Rückschlags von Mai 2014 bis März 2015 exakt in diesen Monat. Nimmt man drittens den Februar 2002 als endgültigen Ausgangspunkt der dynamischen EUR-Rally bis Juli 2008, dann weist die 138,2%-Fibonacci-Projektion dieser Bewegung ebenfalls auf den Mai 2017 hin (siehe Chart 5). Wenngleich solche Fibonacci-Zeitcluster oftmals potentielle Marktwendepunkte markieren, ist dies keinesfalls ein Automatismus. Dennoch sollten sich Investoren den Wonnemonat 2017 dick im Kalender markieren und in dessen Umfeld besonders intensiv auf mögliche Trendwendeformationen achten.
 
 
  EUR/USD (Monthly)  
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US-Wahlzyklus: 2017 mit zwei Gesichtern?
Einen Fingerzeig in diese Richtung liefert möglicherweise zusätzlich der US-Präsidentschafszyklus, welchen wir neben der Analyse auf der Aktienseite traditionell im Jahresausblick auch auf der Währungsseite beleuchten. Der durchschnittliche Verlauf des US-Dollar zum Euro zeigt – aus Sicht des Greenback – in der Rückrechnung seit Beginn der 1970er Jahre einen hoch dynamischen Start in das Nachwahljahr. Im Umkehrschluss dürfte der Euro im Allgemeinen und die herausgearbeitete Schlüsselmarke von 1,05 USD im Speziellen sofort unter Druck kommen. Nach einer kurzen Phase des Luftholens startet Mitte April eine weitere USD-Rally, die Ende Juni ihrem Höhepunkt entgegenstrebt (siehe Chart 6). Da das Maihoch dabei nur marginal überwunden wird, besteht an dieser Stelle auch eine Verbindung zu den zuvor angestellten Fibonacci-Zeitprojektionen. Für die Zweiteilung des Nachwahljahres sorgt der zur Jahresmitte einsetzende und bis Ende September andauernde dynamische USD-Abverkauf. Daran schließt sich im letzten Quartal eher eine volatile Seitwärtsphase an. Unter dem Strich ergibt sich aus USD-Sicht zwar ein Plus, mit einem besonderen saisonalen Rückenwind kann der Greenback aber vor allem im 1. Halbjahr 2017 rechnen.
 
 
  EUR/USD (Daily)  
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Schlussplädoyer und Ablaufplan 2017
„Volatilität voraus!“ Auf diese zwei Worte lässt sich der Devisenjahrgang 2017 verdichten. Mit dem Unterschreiten des alten Verlaufstiefs bei 1,0456 USD bzw. dem Abgleiten unter das untere Bollinger Band dürfte der Grundstein für einen erneuten EUR-Baisseimpuls gelegt worden sein. Doch damit nicht genug: Aufgrund der vorangegangenen langen Seitwärtsphase, den dicht beieinanderliegenden Begrenzungen unseres Lieblingsvolatilitätsindikators sowie den Rahmenbedingungen seitens des Investorensentiments dürfte ein neuer Abwärtstrend mit hoher Wahrscheinlichkeit schnell, dynamisch und nachhaltig ausfallen. Das Kursziel von 0,95 USD – abgeleitet aus der bekannten Tradingrange – halten wir bis zum Ende des 1. Halbjahres für realistisch (siehe Chart 7). Im Anschluss an den prognostizierten Abverkauf ergibt sich dann möglicherweise die Chance auf eine technische Gegenreaktion. Deshalb sollten Anleger zum Halbjahreswechsel besonders genau auf mögliche Umkehrsignale achten. In der Summe dürfte 2017 für das Währungspaar EUR/USD viel Bewegung und damit jede Menge Volatilität mit sich bringen. Anlegern sollte diese Erwartungshaltung aber weniger Angst machen, als vielmehr die sich im neuen Jahr bietenden Chancen vor Augen führen.
 
 
  EUR/USD (Quarterly)  
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