22.01.2016 10:13
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Meinung weekly: Kapitalflucht aus China – Grund zur Panik?

Das Jahr 2015 war für China eine Katastrophe und das laufende Jahr verspricht kaum besser zu werden. Das ist eine mögliche Interpretation der jüngst bekannt gewordenen Daten über Kapitalabflüsse aus China. So sind im vergangenen Jahr nach Angaben des internationalen Bankenverbandes IIF per Saldo 676 Mrd. USD ins Ausland verlagert worden, eine Versechsfachung gegenüber 2014. Kommt jetzt also der große Knall, den viele Marktbeobachter schon seit mehr als 10 Jahren prophezeien?

Nicht so schnell. Massive Kapitalabflüsse werden immer dann zu einem Problem, wenn sie den Wechselkurs kollabieren und das Land in eine Leistungsbilanzkrise stürzen lassen. Davon kann in China keine Rede sein. Das liegt schlicht an der Versicherungspolitik, die das Land seit der Asienkrise verfolgt hat: Jahr für Jahr hat die chinesische Zentralbank Währungsreserven aufgebaut, um sich genau gegen den jetzt zu beobachtenden Stimmungswandel bei nationalen und internationalen Investoren zu schützen. In der Spitze lagen die Reserven im September 2014 bei 4000 Mrd. USD. Absurd hoch, schimpften damals einige Wirtschaftspolitiker aus dem Westen. Sie sind jetzt eines Besseren belehrt. Denn diese Reserven werden seit Ende 2014 erfolgreich eingesetzt, um einen unkontrollierten Absturz des Yuan zu verhindern.

Neben den hohen Währungsreserven hat die Regierung noch weitere Pfeile im Köcher, um die Zahlungsbilanz zu managen. Dabei stehen Kapitalverkehrsbeschränkungen ganz oben auf der Agenda. Hier hat die Regierung die Zügel bereits angezogen. Das zweite Instrument ist gefährlicher, aber ökonomisch sinnvoller: eine maßvolle Flexibilisierung des Wechselkurses. Warum gefährlich? Kommt es im Zuge der Flexibilisierung zu einer Abwertungsbewegung, kann dies bei Investoren die Befürchtung auslösen, der Yuan schlage einen dauerhaften Abwärtspfad ein, was eine unkontrollierte Kapitalflucht auslösen würde. Genau diese Überlegung scheint derzeit viele Marktbeobachter aus dem Yuan zu treiben. Die Turbulenzen an den chinesischen Aktienmärkten machen zudem den Yuan nicht attraktiver.

Was also ist zu tun? Der Einsatz der Währungsreserven ist richtig. Genau für diesen Zweck sind sie aufgebaut worden. Allerdings muss die Dynamik ihres Abbaus etwas gebremst werden. Zu diesem Zweck mag man in die Trickkiste der Kapitalverkehrsbeschränkungen greifen. Nachhaltiger ist jedoch die grundsätzlich angekündigte Flexibilisierung des Wechselkurses gegenüber einem Währungskorb in Form eines Managed Floating Regimes (Flexibler Wechselkurs mit gelegentlichen Interventionen). Der Vorteil: Da im Währungskorb neben US-Dollar und Euro auch weichere Währungen aus Schwellenländern vertreten sind, wird eine Wertveränderung des Yuan gegenüber diesem Korb in der Regel gedämpfter ausfallen als gegenüber dem US-Dollar alleine. Gleichzeitig werden die Währungsreserven geschont, da eine Abwertung zugelassen wird. Kommuniziert die chinesische Zentralbank diesen währungspolitischen Schwenk transparent und glaubwürdig – daran hapert es noch erheblich –, sollte sie die Kapitalflucht schon bald in den Griff bekommen und auch die Aktienmärkte wieder in ein ruhigeres Fahrwasser führen. Für Investoren gilt: Keine Entwarnung, aber Angst vor einer Katastrophe ist zu diesem Zeitpunkt nicht angebracht.

Hier können Sie das "Wochenbarometer" mit aktuellen News zu den Kapitalmärkten und weitere Research-Publikationen herunterladen.
 

Quelle

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