15.01.2016 09:01
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Meinung weekly: (Öl)Fass ohne Boden?

Der Ölpreis ist auf ein 12 Jahrestief gestürzt. Angesichts überlaufender Öllager in Kombination mit einem milden Winter sind kurzfristig weitere Preisrückgänge möglich. Viele Marktbeobachter gehen jedoch davon aus, dass das Fass keinen Boden hat und die Fundamentaldaten für ein dauerhaft ultraniedriges Preisniveau sprechen: das hohe Ölangebot durch Fracking, Irans neues Förderpotenzial und die Uneinigkeit in der OPEC werden in diesem Zusammenhang genannt. Unseres Erachtens ist aber das Ausmaß des Pessimismus für den Ölsektor nicht angebracht.

Es stimmt: Die Erdölproduktion befindet sich in den USA mit 9,5 Millionen Fass pro  Tag weiterhin auf einem sehr hohen Niveau und der Preisverfall hat hier noch keinen offensichtlichen Effekt. Eine Frackingquelle ist aber je nach Beschaffenheit in 18 bis 24 Monaten erschöpft. Schätzungen zufolge ist bei Ölpreisen von unter 50 USD pro Fass nur die Hälfte der derzeitigen Projekte wirtschaftlich profitabel. Der durchschnittliche Ölpreis liegt bereits seit Juli 2015 durchgehend  unter diesem Wert. Ein Rückgang der Ölproduktion in den USA ist in der Folge absehbar. Das kann bis 2017 eine Größenordnung von 2 Mio. Fass pro Tag erreichen.

In den vergangenen Jahren bis 2014 sind Ölunternehmen angesichts der hohen Preise dazu übergegangen, immer komplexere Ölförderprojekte in Angriff zu nehmen. Beispielhaft ist hier die Erschließung des brasilianischen Ölfelds Pré-de-Sal zu nennen, bei dem in bis zu 2000 Meter Meerestiefe Bohrungen durch eine kilometerdicke Salzschicht vorgenommen wird. Die heute niedrigen Preise haben demgegenüber die großen Ölunternehmen zu der Ankündigung veranlasst, ihre Investitionen um mehr als 200 Mrd. USD zusammenzustreichen. Dies bedeutet: weniger Öl in der Zukunft.

Die Aufhebung der Sanktionen gegenüber dem Iran wird immer wieder als Argument für weiterhin fallende Preise genannt. Iran fördert aktuell 3,3 Mio. Fass pro Tag. Im Rekordjahr 2005 lag der Wert bei 4,2 Mio. Fass pro Tag. Gemäß dieser Kalkulation könnte man von einem Produktionszuwachs von rund 0,9 Mio. Fass pro Tag ausgehen, der in den nächsten Jahren auf den Markt kommen könnte. Das ist durchaus eine signifikante Menge, kompensiert jedoch nicht die voraussichtlich geringere Förderung in den USA.

Der Wegfall der Förderquoten der OPEC wird als weiterer Punkt genannt, der den Preisverfall beschleunigt hat. In der Vergangenheit war Saudi Arabien stets das einzige Land mit signifikanten freien Förderkapazitäten. Wir sind skeptisch, ob das Land, das seine Produktion in den vergangenen Jahren auf den Rekordwert von 10,24 Millionen Fass pro Tag gesteigert hat, noch einen erheblichen Spielraum nach oben hat.

Fazit: Die derzeitige Entwicklung an den Ölmärkten scheint von fundamentalen Grundsätzen entankert zu sein. Der Mangel an freien Lagerkapazitäten ist ein deutlicher Hinweis auf das Potenzial weiterer Preisrückgänge, aber keine Grundlage für einen nachhaltigen Wertverfall des Öls. Vom schwarzen Gold werden pro Tag 90 Mio. Fass nachgefragt, und die Produktionskosten liegen bei den meisten neuen Projekten deutlich über 50 USD/Fass. Es ist daher nur eine Frage von wenigen Quartalen, bis der Ölpreis sein Tal verlässt. Das Fass hat doch einen Boden.


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