13.04.2017 11:08
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Meinung weekly: OPEC-Abkommen: Das Ölkartell steckt im Dilemma

Die Organisation erdölexportierender Länder steckt in einem Dilemma! Egal, was die OPEC auf ihrer halbjährlichen Sitzung am 25. Mai entscheiden wird – das Förderkürzungsabkommen über Ende Juni hinaus zu verlängern oder auslaufen zu lassen – der Ölpreis wird gegenüber seinem gegenwärtigen Niveau bei 56 US-Dollar/Barrel sehr wahrscheinlich wieder fallen. Den Unterschied macht lediglich der Zeitpunkt.

Zwei Szenarien: Im Ersten ist die OPEC aufgrund von Zweifeln über die Effektivität der bisherigen Förderkürzungen (Stichwort: Rekordhohe US-Rohöllagervorräte) zu der Überzeugung gelangt, dass eine Verlängerung der Vereinbarung erforderlich ist. Eine Einigung im letzten Moment nach kräftezehrenden Verhandlungen dürfte den Ölpreis in eine Handelspanne von 60-65 US-Dollar katapultieren. Ein solcher Preisanstieg dürfte nicht nur die OPEC-Staaten, die eine enorme Entlastung für die arg gebeutelten Haus-halte verspüren, freuen, sondern vor allem die US-Fracker. Diese reiben sich zwar schon beim gegenwärtigen Preisniveau die Hände. Sollte sich der Ölpreis nämlich erst einmal bei gut 60 US-Dollar je Fass stabilisieren, droht ein erneuter Angebotsschock für die globalen Ölmärkte. Die amerikanische Ölproduktion wird noch mehr steigen, als dies ohnehin schon der Fall ist. Eine Verlängerung des Abkommens dürfte sich unserer Ansicht nach schnell als "self-defeating endeavour" erweisen - als Strategie, die das Gegen-teil des Beabsichtigten erreicht. Denn bei einem Ölpreisanstieg auf 60 US-Dollar/Barrel rechnen wir mit einer Ausweitung der amerikanischen Ölförderung auf mehr als 10,7 Mio. Barrel/Tagen steigen. Das sind gut 1,5 Mio. Fass mehr als im Augenblick. In einem Markt, der gerade unter Mithilfe der OPEC zurück in ein Gleichgewicht gebracht wird, droht neues Ungemach in Form eines erneuten Angebotsüberhangs, der nicht durch eine höhere Nachfrage absorbiert werden kann. Dies erhöht das „downside“-Risiko für unsere Ölpreisprognose im kommenden Jahr. Ein erneuter Rutsch der Ölpreise in Richtung 40 US-Dollar/Barrel ist nicht auszuschließen.

In einem zweiten Szenario zeigt sich die OPEC von der Effektivität der Kürzungen über-zeugt. Zur Überraschung der Märkte verlängert das Staatenbündnis die Kürzungsvereinbarung nicht. Aufgrund einer Verzögerung bei der Datenverfügbarkeit, können die Marktteilnehmer den tatsächlichen Fortschritt noch nicht erkennen. Die Marktteilnehmer reagieren verschnupft und lassen ihrer Enttäuschung freien Lauf. Der Ölpreis dürfte erneut unter die psychologisch wichtige Marke von 50 US-Dollar/Barrel fallen und sich bis Jahresende bei 45 US-Dollar/Barrel festigen.

So oder so, der Ölpreis dürfte wieder fallen. Ob mit Verlängerung des Abkommens oder ohne, denn im „Neuen Ölzeitalter“ haben sich die Machtverhältnisse von der OPEC zur US-Schieferölindustrie verlagert, in dem diese die Grenzproduktion an den Ölmärkten kontrolliert. Folglich wird Saudi-Arabien und den anderen OPEC-Staaten nicht anderes übrig bleiben, als die vor zwei Jahren eingeschlagene Strategie, um Marktanteile zu kämpfen, fortzusetzen. Schon einmal hat das Förderkartell versucht, mit einer Öl-schwemme Konkurrenten vom Markt zu fegen: Mitte der 1980er-Jahre drückten die Saudis den Ölpreis um 60 Prozent, weil sie die Nordseeproduzenten mit ihren vergleichsweise teuren Bohrinseln aushungern wollten. Das Ergebnis ist heute noch unverändert in der Nordsee zu besichtigen, und die Nordseesorte Brent hat es sogar zur Referenzgröße an den Ölmärkten gebracht.


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