31.08.2017 18:30
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Öl weekly: Hurrikan Harvey sorgt für Produktionsausfälle in US-Raffinerien. Rohöllagerabbau dürfte daher langsamer erfolgen. OPEC-Zeitplan in Gefahr

Die Ölpreise stehen seit Beginn des Wirbelsturms Harvey unter Druck, wobei die amerikanische Sorte WTI deutlich stärker verlor als die Nordseesorte Brent. Wir bewerten die Auswirkungen des  Wirbelsturms Harvey auf den Gesamtmarkt als “bearish”, was dadurch bedingt ist, dass die Nachfrage nach Rohöl weitaus stärker getroffen ist als das Angebot, da insbesondere Raffinerien von dem Unwetter betroffen sind. Brent handelt gegenwärtig bei 50,8 US-Dollar/Barrel, WTI unterhalb von 45,9 US-Dollar/Barrel. Die Preisdifferenz zwischen beiden Ölsorten hat sich somit auf knapp 5 US-Dollar ausgeweitet (Vorwoche: 4 US-Dollar).

Preisbelastend wirkt vor allem, dass an der US-Golfküste aufgrund von Hurrikan Harvey mittlerweile die meisten Raffineriekapazitäten vor allem aus präventiven Gründen heruntergefahren wurden. Dies entspricht einer Kapazität von rund 4 Mio. Barrel/Tag (~21 % der gesamten 18,2 Mio. Barrel/Tag ab US-Raffineriekapazitäten). Die Gefahr weiterer Überschwemmungen aufgrund des anhaltenden Regens ist noch nicht gebannt, so dass die Stillstände in den kommenden Tagen andauern und auch weitere Schäden entstehen können. Allerdings ist aufgrund des anhaltenden Regens damit zu rechnen, dass der Kapitalstock des US-Ölsektors anhaltenden Schäden davon tragen wird und die Produktionsausfälle andauern werden.

Die Auswirkungen auf die Rohölproduktion sind mit bisher 1 Mio. Barrel/Tag (11 % von 9,3 Mio. Barrel/Tag) an Ausfällen noch verhältnismäßig moderat. Auch bei der Gasproduktion (ca. 2 Bcf/Tag; 3% von 72 Bcf/Tag) sind die Produktionsstörungen deutlich moderater. Die derzeit zu beobachtenden Überschwemmungen führen jedoch zu einem größeren Verlust an Onshore-Produktion aus der Region Eagle-Ford, als es bei früheren Wirbelstürmen und einhergehende Überschwemmungen der Fall war.

Des Weiteren sind gegenwärtig die meisten Häfen an der US-Golfküste geschlossen. Nach Angaben von Reuters haben diese Häfen im bisherigen Jahresverlauf durchschnittlich 600 Tsd. Barrel/Tag an Netto-Rohölimporten, 250 Tsd. Barrel/Tag an Netto-Benzinexporten und 250 Tsd. Barrel/Tag an Netto-Destillatexporten verladen. Sollten diese Ausfallphasen bestehen bleiben und legen wir vergangene Wirbelstürme als Proxies für die Auswirkungen auf die Ölnachfrage zugrunde, dürften in den kommenden Wochen aufgrund der Raffinerieausfälle 1,9 Mio. Barrel/Tag an Rohöl zu viel produziert werden. Damit dürfte sich der Lagerabbau-Prozess v.a. in den USA verlangsamen bzw. könnte es sogar zu einem Rohöllageraufbau kommen. Dagegen ist damit zu rechnen, dass die Lagervorräte an Benzin und Destillaten in den kommenden Wochen um 1,1 bzw. 0,8 Mio. Barrel/Tag abgebaut werden. Weitaus größere Produktionsausfälle in den Raffinerien hätten stärkere Auswirkungen auf die Lagerbestandsentwicklungen sowohl bei Rohöl (Aufbau) als auch den raffinierten Produkten (Abbau).

Wir gehen davon aus, dass der Nachfrageverlust im ersten Monat nach Harvey mehr als 700 Tsd. Barrel/Tag betragen dürfte. Aufgrund dieses „bearishen“ Ausblicks dürfte unsere Prognose von 56 US-Dollar/Barrel per Ende 3Q-2017 nicht mehr erreicht werden. Hinzu kommt, dass der Plan der OPEC, die globalen Öllagerbestände bis Jahresende auf den Fünfjahresdurchschnitt abzubauen, in Gefahr gerät, so dass die OPEC auch deswegen gezwungen sein wird, das Förderabkommen zu verlängern.


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