01.03.2018 15:45
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Unternehmensanleihen weekly: Kreditrisiken unverändert. iBoxx-Sektor „Retail“ im Fokus

Unsere  iBoxx EUR Corporates Benchmark hat die zurückliegende Berichtswoche ohne nennenswerte Veränderungen abgehakt. Mit indexübergreifenden 34,5 Basispunkten sind auf Euro lautende Unternehmensanleihen aus dem Investmentgrade-Bereich nahezu unverändert bewertet gegenüber Mitte Februar. Während unsere iBoxx-Benchmark seit Jahresbeginn 4,6 Basispunkte nachgab (Stand: 27.02.2018), ging der iBoxx-Sektor „Retail“ um gut sechs Basispunkte zurück und liegt somit im hinteren Drittel der Branchenbetrachtung. Was sind die marktrelevanten Themen in dieser Branche und auf welche Branchendynamiken sollten Investoren achten? Hier ist ein detaillierter Blick in den Sektor mit Hilfe der S&P Publikation „Industry Top Trends 2018“ ratsam.

Das iBoxx-Segment „Retail“ setzt sich fast ausschließlich aus großen Einzelhändlern der Bereiche Lebensmittel und Konsumgüter zusammen. Die Warenhaus- und Supermarktketten weisen ein umfangreiches Produktsortiment auf und sind in ihren Kernmarken vor allem durch zwei Strategien zu kennzeichnen: „alles unter einem Dach“ sowie „brick and mortar“. Von diesen seit Jahrzehnten bestehenden Strategien sind die meisten Unternehmen nicht abgerückt, und dass trotz großem Wettbe-werbs-, Preis- und Innovationsdrucks. Diese gibt den Unternehmen zum einen auf der Einkaufsseite großen Verhandlungsspielraum, zum anderen schränkt sie auch ihre Reaktionsfähigkeit auf sich änderndes Konsumverhalten ein. Dies ist ein strategischer Nachteil in einer Welt sich immer schneller ändernder Präferenzen und neuer Produkttrends.

Auf der betriebswirtschaftlichen Ebene ist der konjunkturelle Aufschwung an den Retail-Unternehmen in Europa vorbeigegangen. Weder das Umsatzwachstum noch die EBITDA-Margen konnten mit den Steigerungen anderer Branchen Schritt halten. Die Analysten von S&P stellen der Branche einen negativen Rating-Trend für 2018 aus. Schon jetzt befindet sich das Rating für 47 % der Retail-Unternehmen in der EMEA-Region im Bereich „B“. Spielraum für weitreichende Investitionen sieht S&P kaum. Der hohe Schuldenstand der Branche zwingt die Unternehmen, zukünftige Gewinne verstärkt zur Bonitätsstärkung zu verwenden. S&P prognostiziert dem Sektor ein Deleveraging und einen Rückgang der Nettoverschuldung per EBITDA vom 5,0-Fachen in 2016 auf das 4,2-Fache in 2019.

Als weitere Branchenrisiken sind das steigende Inflationsumfeld in der Eurozone (Kostendruck auf der Inputseite), die Wettbewerbsintensität durch Spezial-Retailern (z.B. Convenience-Stores), das stark veränderliche Kaufverhalten der Millenials (u.a. nachhaltige Marken) und der zunehmende Trend zum E-Commerce im Lebensmittelhandel zu identifizieren. S&P nimmt zudem eine Konsumentenpräferenz zu kleineren, hochspezialisierten und dezentralen Stores wahr. Dass Anleihetitel aus dem Retail trotzdem stark nachgefragt werden, kann man angesichts der Fundamentaldaten des Sektors nur dem Anlagedruck der Investoren im Niedrigzinsumfeld zuschreiben.

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