16.09.2016 09:00
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Zinsen weekly: Renditesprung irritiert die Marktteilnehmer

Die Aufwärtsdynamik könnte sich zunächst fortsetzen, obwohl Fundamentaldaten dagegen sprechen.

Der Renditesprung der letzten Tage erinnert an die Entwicklung bei den Bundesanleihen im Frühjahr 2015. So stieg die Rendite der zehnjährigen Bunds von Ende April bis Mitte Juni um 90 bp auf knapp 1%. So weit sind wir noch nicht, aber immerhin rentieren die Bunds heute (15.9.) bei 0,05%, ein Satz von 17 bp gegenüber dem Wert vom 7. September. Bei den US-Renditen ist eine sehr ähnliche Bewegung zu beobachten, die Rendite der Zehnjährigen beträgt nunmehr 1,70%.

Ähnlich wie im Jahr 2015 tut man sich schwer mit Erklärungen. Die Marktteilnehmer hätten mit weiteren Maßnahmen der EZB gerechnet. Und die Fed überlege, noch im September den Leitzins anzuheben. Was die EZB angeht, gab es im Vorfeld keine besonders weitgehenden Erwartungen in Bezug auf neue geldpolitische Maßnahmen. Die Tatsache, dass Notenbankpräsident Mario Draghi darauf verzichtet hat, die QE-Politik offiziell über den März 2017 hinaus zu verlängern, wird überinterpretiert: Es gibt unseres Erachtens kaum einen Zweifel an einer Verlängerung des QE-Programms. Draghi hat deutlich gemacht, dass die EZB die Anleiheankäufe so lange fortführen wird, bis man der Meinung ist, das Inflationsziel in absehbarer Zeit zu erreichen. Danach sieht es derzeit nicht aus, denn die Inflation in der Eurozone lag im August bei 0,2%. Was die Spekulationen über Leitzinserhöhungen in den USA angeht, sprechen die letzten Arbeitsmarktzahlen und ISM-Geschäftsklimaindizes gegen einen Schritt in diesem Jahr bzw. schon am 21. September, dem Fed-Sitzungstermin. Auch der in den letzten Tagen zu beobachtende Anstieg der Volatilität an den Aktienmärkten wird von der Fed nicht gerne gesehen. Zumindest lehrt die Vergangenheit, dass Fed-Chefin Janet Yellen schon kleinere Zuckungen in der Konjunkturlandschaft und der Finanzmarktwelt zu Rückziehern veranlasst hat. Ratsmitglied Lael Brainard hatte zuletzt ganz in diesem Sinne vor einer Zinserhöhung gewarnt. Wir gehen davon aus, dass sich die Mehrheit der Fed-Mitglieder auf die Seite der Präsidentin schlagen wird. Letztlich ist festzuhalten: So wie die Zentralbanken es in den vergangenen Monaten geschafft haben, eine Hausse in den meisten Finanzmarktsegmenten gleichzeitig auszulösen, so geht es jetzt auch mit allen Assetklassen wieder abwärts. Vermutlich wird sich daraus noch kein nachhaltiger Trend entwickeln, denn die meisten Notenbanken sind weiterhin expansiv ausgerichtet. Es sollte jedoch ein Warnschuss sein, dass die QE-Politik nicht jeden Kursanstieg rechtfertigt.

Die nächsten Tage werden zum einen durch den EU-Gipfel in Bratislawa sowie durch einige wichtige Konjunkturdaten geprägt sein. Bratislawa wird bestenfalls ergeben, dass man wieder zu einem konstruktiven Dialog in der EU zurückkehren möchte. Die PMI-Indizes aus Europa und der NAHB-Index für den US-Wohnungsbau dürften enttäuschen. Achten sollte man noch auf die US-Inflationsdaten. Unabhängig davon könnte sich der Ausverkauf an den Rentenmärkten noch ein oder zwei Wochen fortsetzen.


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