08.01.2016 11:30
Anzeige

Zinsen weekly: Turbulenter Start ins neue Jahr – Aussichten auf steigende Renditen aber vorhanden

So turbulent ist das Jahr selten gestartet. Kalter Krieg zwischen Iran und Saudi Arabien, massiver Kurseinbruch an den Aktienmärkten Chinas mit zweimaliger Aussetzung des Handels innerhalb von nur vier Tagen und ein Ölpreisrückgang um 12% im gleichen Zeitraum. In diesem Umfeld konnten die Renditen der Staatsanleihen nur sinken. Zehnjährige Bunds rentieren derzeit um die 50 Basispunkte, nachdem man das vergangene Jahr bei über 60 Basispunkten abgeschlossen hatte. Auch die Rendite der korrespondierenden Treasuries sank deutlich auf 2,14% (Jahresende: 2,27%). Der Kurseinbruch an den chinesischen Aktienmärkten lässt sich nur vordergründig mit den schwachen Zahlen des chinesischen PMI-Geschäftsklimaindizes für das Verarbeitende Gewerbe begründen. Vielmehr machte sich bei den Anlegern die Angst vor der unmittelbar bevorstehenden Aufhebung des Verbots von Aktienverkäufen durch Großinvestoren bemerkbar. Ein anderer Auslöser des Crashs war die Abwertung des chinesischen Yuan, die eine verstärkte Kapitalflucht auslösen könnte. Dass sich die Schwäche des chinesischen Aktienmarktes beispielsweise auf den deutschen Aktienmarkt übertragen hat, hat mit der Furcht vor einer globalen durch China ausgelösten Wachstumsverlangsamung zu tun. Der Ölpreisrückgang wiederum überrascht auf den ersten Blick angesichts der Spannungen zwischen Saudi Arabien und dem Iran, die an der ersten bzw. fünften Stelle der OPEC-Förderländer stehen. Allerdings macht der Konflikt eine Einigung der OPEC auf Förderquoten noch unwahrscheinlicher. Außerdem kann Saudi Arabien dem niedrigen Ölpreis möglicherweise auch eine gute Seite abgewinnen: Iran wird seine Einnahmen weniger stark steigern können, so dass Saudi Arabien mit einem BIP von 750 Mrd. USD (2014) wirtschaftlich weiterhin die stärkste Kraft in der Region bleibt. In jedem Fall drückt der niedrigere Ölpreis auf das allgemeine Preisniveau, was die EZB veranlassen könnte, bald erneut über neue Maßnahmen zur Stimulierung der Inflation nachzudenken. Die Rentenwerte würden davon profitieren. 

Trotz der geopolitisch brisanten Lage werden die Anleger heute in gewohnter Tradition auf die US-Arbeitsmarktdaten schauen. Die ADP-Daten, die einen ordentlichen Schätzwert für die umfassenderen Beschäftigungsdaten des statistischen Amtes BLS liefern, zeigten mit einem Zuwachs von 257.000 Personen einen überraschend robusten Wert. Die Schwäche des ISM-Geschäftsklimaindizes für das Verarbeitende Gewerbe (Wert: 48,2) hat sich kaum auf den Dienstleistungssektor übertragen, dessen ISM mit 55,3 Punkten immer noch eine hohe Dynamik signalisiert.  Auch in der Eurozone scheint der Aufschwung weiterhin intakt zu sein, wie die PMI-Geschäftsklimaindizes zeigen. So gesehen dürften die Renditen wieder steigen, sobald an den Aktienmärkten Beruhigung eingetreten ist.


Hier können Sie das "Wochenbarometer" mit aktuellen News zu den Kapitalmärkten und weitere Research-Publikationen herunterladen.
Quelle

Als "Bank für Unternehmer" konzentriert sich die HSH Nordbank auf die Zielgruppe des gehobenen deutschen Mittelstands sowie deren Inhaber. Für diese Kunden will die Bank bevorzugter Ansprechpartner in allen finanziellen Belangen sein – im Geschäftlichen wie im Privaten.

Weitere Nachrichten
HSH Nordbank
07.02.2019 18:20
Ein geordneter Machtwechsel in Venezuela würde das Anliegen der OPEC, die Preise zu stabilisieren, unterminieren, glaubt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank. ...
07.02.2019 18:00
Das Austauschverhältnis EUR/USD hat eine bewegte Woche hinter sich. Nach der EZB-Zinssitzung vom vergangenen Donnerstag (24.01.) verlor der Euro erst einmal etwas an Wert ge ...
07.02.2019 17:35
Die Fed-Sitzung von gestern (30.01.) hat an den Zinsmärkten deutliche Reaktionen hervorgerufen. Die Renditen gaben über die gesamte Zinsstruktur nach. Notenbankchef Jerome P ...